Für alle jüngeren Leserinnen und Leser: Das war früher die härteste Strafe, die man als Kind oder Jugendliche bekommen konnte. Das Leben spielte sich draußen ab, mit Freunden, in der Clique – und plötzlich war man eingesperrt.
So saß ich also 2020 in meinem Homeoffice und telefonierte mit einem Kollegen vom DAV, der damals mein Leiter in der ehrenamtlichen Familienleitergruppe war. Er hatte durch Zufall etwas entdeckt, das wir beide wunderbar mit unserem Ehrenamt bei Wanderungen verbinden könnten: Naturcoaching. Er brauchte nicht lange um mich zu überzeugen – ich war sofort dabei.
Als Treffen in Gruppen wieder möglich waren, starteten wir gemeinsam die Ausbildung zum Naturcoach. Und wir merkten schnell: Das ist genau das Richtige. So wollen wir arbeiten.
Es ist mehr als Coaching…
In der Ausbildung erlebten wir zwei Wochenenden mit systemischen Coaching-Tools mitten im Wald. Diese Stille. Wie der Kopf frei wurde. Wie Klarheit entstand – ganz natürlich, ohne Anstrengung. Das faszinierte mich zutiefst, denn ich spürte etwas, das mir erst Jahre später noch klarer wurde.
Bei den Aufgaben, Übungen und der Bewegung an der frischen Luft merkte ich, wie ich zur Ruhe kam, meinem Gegenüber besser zuhören konnte und instinktiv die richtigen Fragen stellte. Auch im privaten Umfeld wurde ich immer wieder unbewusst in die Coaching-Rolle gebracht. Fremde Menschen erzählten mir ihre Lebensgeschichten, baten mich um Rat – und ich bekam immer wieder dasselbe Feedback: „Diese Frage hat mich wirklich zum Nachdenken gebracht. Danke für Deine Unterstützung.“
Die gesamte Ausbildung fand draußen statt, bei jedem Modul. Im Wald, in den Bergen, an kleinen Bächen, auf Wiesen, an der Isar. Nach jedem Wochenende kam ich leichter und glücklicher nach Hause. Ich fühlte mich ein bisschen wie damals auf dem Spielplatz. Wir lernten in der Natur so vieles über sie und uns.
Und immer wieder fiel mir ein Satz ein, den ich als Mädchen sagte, wenn man mich nach meinem Berufswunsch fragte: „Nur nicht ins Büro.“
Draußen sein, sich bewegen, Menschen begleiten und ihnen helfen, sich selbst wieder näherzukommen – so wollte ich künftig arbeiten. Mit dem Begriff „Coaching“ konnte ich mich nie ganz identifizieren. Für mich war es immer ein Begleiten in der Natur.
Was ich von Anfang an gespürt und selbst an mir erlebt hatte sind die Veränderungen die durch gezielte Fragen in Gang gebracht wurden. Manchmal sind es kleine Dinge die sich im Alltag schnell bemerkbar machen, andere brauchen eine Zeit um im Inneren anzukommen um dann neu gestärkt nach Außen zu treten. Wir Menschen sind ein Teil der Natur und finden dort zu unserer Kraft zurück.
Während der Ausbildung im Wald, hatte ich mir bei einer Übung diesen Platz ausgesucht.
